Johannes Kraus, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Projekt „Der Staatsbildungskrieg vor Ort. Der Dreißigjährige Krieg in der Oberpfalz (Promotionsstelle)

Interessengebiete

  • Konfessionalisierung
  • Kulturgeschichte der Verwaltung
  • Mikrogeschichte und Historische Anthropologie

 

Dissertationsprojekt

Die Bedeutung des Krieges für die Entstehung des modernen Staates wurde in der Forschung lange Zeit vornehmlich auf der Makro-Ebene von Verfassung und Diplomatie diskutiert. Demgegenüber betrachtet die neuere Staatsbildungsforschung zunehmend ein „statebuilding from below“ (André Holenstein), das die staatsbildenden Effekte lokaler Aushandlungsprozesse von Herrschaft fokussiert. Um dieses Konzept auch für die die Frühneuzeit prägenden Kriegsphasen fruchtbar zu machen, möchte das vorliegende Projekt den Dreißigjährigen Krieg als „Staatsbildungskrieg vor Ort“ untersuchen. Anhand lokaler Herrschaftspraktiken in der Oberpfalz sollen die Wirkungen administrativer Kriegsbewältigungsstrategien überprüft werden: Waren sie lediglich geeignet, Akzeptanz für besondere Kriegsbelastungen wie Einquartierungen oder Kontributionen zu generieren, oder führten sie über den unmittelbaren Kriegszusammenhang hinaus zu einem dauerhaften Wandel im Umgang zwischen Obrigkeit und Untertanen? Dieser Frage soll das vorliegende Projekt in einer praxeologischen Perspektive nachgehen. Dabei sind herrschaftliche Amtsträger wie Untertanen als Akteure zu zentrieren, deren administrative Praktiken einen Wandel der Verwaltungskultur im Krieg erkennbar werden lassen. Anhand dieser Befunde wird dann zu klären sein, ob der Dreißigjährige Krieg auf lokaler Ebene die Voraussetzungen schuf, auf denen die beschleunigten Staatsbildungsprozesse des späteren 17. und 18. Jahrhunderts aufbauten.