Dominik Sauerer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

 
Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kochstraße 4, Raum 3.027
D-91054 Erlangen

Interessengebiete

  • Staatsbildung und Herrschaft als soziale Praxis
  • Kulturgeschichte der Verwaltung
  • Zugehörigkeit und Identität
  • Raum, Raumwahrnehmung und Territorialität

Lehre

  • im WiSe 2016/17: Übung "Territorialität und Zugehörigkeit"

Dissertationsprojekt

Klassisch wird der Staat nach Jellinek durch die Einheit der Staatsgewalt, des Staatsvolks und des Staatsgebiets definiert. Unter dem Einfluss dieser Definition fanden HistorikerInnen meist eine Entwicklung hin zu dem in ihrer Lebenswelt erfahrbaren Endprodukt, dem territorial verfassten Staat, bei dem Herrschaft und Territorium in eins gedacht wird und dies zugleich vermeintlich natürlich und alternativlos erscheint. In  dem Projekt werden die Annahmen dieser Meistererzählung anhand des Beispiels der sächsischen Landstadt Leipzig auf den Prüfstand gestellt, wozu die Kategorien des territorialen Raumes und der Zugehörigkeit in den Mittelpunkt gestellt werden. In einem ersten Schritt wird das vermeintliche „Ganze“ der Stadt dekonstruiert und die Vielfalt der frühneuzeitlichen Raumordnungen in und um Leipzig gezeigt. In einem zweiten Schritt wird sich den Transmissionsriemen zwischen normativen Setzungen und alltäglichen Leben der Stadtbewohner gewidmet: Es wird untersucht, durch welche Medialisierungen, Praktiken und Rituale diese Räume und deren Funktionen den Menschen vergegenwärtigt und repräsentiert wurden. Zuletzt steht die synthetisierende Frage, welche Räume für die Einwohner Leipzigs wann und warum bedeutsam waren und in welchem Zusammenhang diese Räume mit den obrigkeitlich hergestellten Räumen standen. Auf dieser Grundlage will das Forschungsvorhaben Staatsbildung von unten aus einer genuin räumlichen Perspektive untersuchen, um so belastbare Aussagen zum Zusammenhang von Territorialisierung, Staatsbildung und Zugehörigkeit zu ermöglichen. Diese verleihen der aktuellen politisch wie wissenschaftlich geführten Debatte die notwendige historische Tiefenschärfe wodurch sich Synergieeffekte erhofft werden, sicherlich aber neue Perspektiven auf Varianzen oder gar Alternativen zum Nationalstaat eröffnet werden.